Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen: Was hinter Herzrasen und hohem Puls stecken kann

Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen: Was hinter Herzrasen und hohem Puls stecken kann

Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen können enger miteinander verbunden sein, als viele Menschen vermuten. Plötzlich schlägt das Herz schneller, der Puls bleibt auch in Ruhe ungewöhnlich hoch oder der Herzschlag fühlt sich unregelmäßig an. Schnell entsteht die Sorge, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt.

Das ist möglich – aber nicht die einzige Erklärung. Auch eine veränderte Schilddrüsenfunktion kann den Herzschlag beeinflussen. Besonders bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper benötigt. Dadurch laufen zahlreiche körperliche Prozesse beschleunigt ab. Das Herz kann darauf mit Herzklopfen, Herzrasen oder Rhythmusstörungen reagieren.

Umgekehrt kann eine Unterfunktion den Organismus verlangsamen. Betroffene bemerken dann möglicherweise einen auffällig niedrigen Puls, Müdigkeit oder eine eingeschränkte Belastbarkeit.

Die Beschwerden allein verraten allerdings noch nicht, wo ihre Ursache liegt. Herzrasen kann sowohl durch eine Schilddrüsenerkrankung als auch durch eine eigenständige Herzerkrankung, Medikamente oder eine starke innere Anspannung ausgelöst werden. Eine gezielte Untersuchung ist deshalb wichtiger als jede vorschnelle Vermutung.

Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen: Wie hängt das zusammen?

Die Schilddrüse bildet Hormone, die den Stoffwechsel und damit zahlreiche Abläufe im Körper beeinflussen. Dazu gehören auch Herzfrequenz und Kreislauf.

Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone, wird der Organismus stärker angetrieben. Das Herz kann schneller schlagen und empfindlicher auf Belastungen reagieren. Neben einem beschleunigten Puls können Betroffene ein starkes Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Herzschlag wahrnehmen.

Bei einer ausgeprägten Überfunktion kann auch Vorhofflimmern auftreten. Dabei gerät der Herzrhythmus aus seinem gleichmäßigen Takt. Das macht deutlich, warum anhaltendes Herzrasen nicht einfach als Nervosität abgetan werden sollte.

Produziert die Schilddrüse dagegen zu wenige Hormone, wird der Stoffwechsel gebremst. In diesem Fall kann sich der Puls verlangsamen. Häufig treten gleichzeitig Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme oder Konzentrationsprobleme auf.

Das bedeutet konkret: Eine Überfunktion beschleunigt viele Prozesse, während eine Unterfunktion sie eher verlangsamt. Dennoch reagiert nicht jeder Mensch gleich. Deshalb muss der Herzschlag immer zusammen mit den übrigen Beschwerden und den Laborwerten betrachtet werden.

Welche Schilddrüsenerkrankungen können den Herzrhythmus beeinflussen?

Eine veränderte Herzfrequenz ist zunächst ein Symptom, keine Diagnose. Dahinter können unterschiedliche Erkrankungen und Funktionsstörungen der Schilddrüse stehen.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Überfunktion befinden sich zu viele Schilddrüsenhormone im Blut. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Typische Begleiterscheinungen sind innere Unruhe, vermehrtes Schwitzen, Gewichtsverlust, Schlafprobleme, Zittern und ein schneller Puls.

Herzrasen und ein ungewöhnlich hoher Ruhepuls gehören zu den Beschwerden, die besonders ernst genommen werden sollten. Eine länger bestehende Überfunktion kann das Herz-Kreislauf-System belasten.

Welche weiteren Anzeichen auftreten können, zeigt der Überblick zu den wichtigsten Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion.

Morbus Basedow

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Schilddrüse zur verstärkten Hormonproduktion anregen. Die gesamte Drüse kann dadurch hochaktiv sein.

Betroffene berichten häufig über Herzrasen, hohen Puls, Nervosität und ein Gefühl ständiger innerer Anspannung. Manche Menschen bemerken selbst zunächst kaum, wie sehr sich ihr körperliches und emotionales Erleben verändert hat.

Neben Laborwerten und Ultraschall kann die Szintigrafie helfen, die Aktivität des Schilddrüsengewebes zu beurteilen. Mehr über Ursachen und Diagnostik erfahren Sie im Artikel über Morbus Basedow.

Heiße Schilddrüsenknoten

Ein sogenannter heißer Knoten produziert eigenständig Hormone. Er entzieht sich teilweise der normalen Steuerung durch den Körper und kann dadurch eine Überfunktion auslösen.

Ob ein Knoten hormonell aktiv ist, lässt sich nicht allein durch Ertasten oder Ultraschall feststellen. Erst die funktionelle Bildgebung zeigt, wie sich die Aktivität innerhalb der Schilddrüse verteilt.

Die Unterscheidung zwischen kalten und heißen Schilddrüsenknoten ist deshalb für die weitere Behandlung entscheidend.

Schilddrüsenunterfunktion

Auch eine Unterfunktion kann den Herzschlag verändern. Statt Herzrasen steht hier häufig ein verlangsamter Puls im Vordergrund. Gleichzeitig können Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit und eine verminderte körperliche Belastbarkeit auftreten.

Dabei zeigt sich erneut: Herzbeschwerden und Schilddrüsenprobleme lassen sich nicht anhand eines einzelnen Symptoms voneinander unterscheiden. Der Gesamtbefund entscheidet.

Welche Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden?

Gelegentliches Herzklopfen kann viele Ursachen haben. Tritt es jedoch wiederholt, ohne erkennbare Belastung oder gemeinsam mit weiteren Beschwerden auf, sollte die Ursache ärztlich untersucht werden.

Zu den auffälligen Veränderungen gehören:

  • anhaltend hoher Puls in Ruhe,
  • plötzlich einsetzendes Herzrasen,
  • ein spürbar unregelmäßiger Herzschlag,
  • Zittern oder starkes Schwitzen,
  • innere Unruhe und Schlafprobleme,
  • unerklärliche Gewichtsabnahme,
  • ungewöhnlich langsamer Puls,
  • Müdigkeit und deutlich verminderte Belastbarkeit.

Diese Beschwerden beweisen nicht, dass eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Sie zeigen lediglich, dass eine medizinische Einordnung sinnvoll ist.

Vor allem Herzrasen, das neu auftritt, lange anhält oder als sehr belastend empfunden wird, sollte nicht in Eigenregie beurteilt werden. Bei akuten oder starken Beschwerden ist eine zeitnahe medizinische Abklärung wichtig.

Wie die Ursache von Herzrasen und hohem Puls untersucht wird

Wenn die Schilddrüse als mögliche Ursache infrage kommt, beginnt die Diagnostik mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei wird unter anderem geklärt, wann die Beschwerden auftreten, wie lange sie anhalten und ob weitere Veränderungen beobachtet wurden.

Auch Medikamente und vorausgegangene Untersuchungen sind wichtig. Bestimmte Präparate oder eine hohe Jodzufuhr, beispielsweise durch jodhaltige Kontrastmittel, können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen.

Anschließend greifen mehrere Untersuchungen ineinander.

Klinische Untersuchung

Zur ersten Einschätzung gehört die Messung des Pulses. Dabei ist nicht nur die Geschwindigkeit von Bedeutung. Auch Regelmäßigkeit und Qualität des Herzschlags können wichtige Hinweise geben.

Die Schilddrüse wird zudem untersucht und abgetastet. Dabei können beispielsweise eine Vergrößerung oder auffällige Veränderungen bemerkt werden.

Laboruntersuchung

Die Basis bilden TSH, fT3 und fT4. Diese Werte zeigen, ob die Schilddrüse normal arbeitet oder ob eine Über- beziehungsweise Unterfunktion vorliegt.

Bei einer Überfunktion ist TSH häufig erniedrigt, während die freien Schilddrüsenhormone erhöht sein können. Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung, werden zusätzlich Antikörper wie TRAK oder TPO-AK untersucht.

Warum eine einzelne Zahl selten ausreicht, erklärt der Beitrag Schilddrüsenwerte verstehen.

Ultraschall

Der Ultraschall zeigt Größe und Struktur der Schilddrüse. Er macht Knoten sichtbar und kann Hinweise auf entzündliche oder autoimmune Veränderungen liefern.

Was der Ultraschall nicht zuverlässig beantworten kann, ist die Frage, wie aktiv einzelne Bereiche arbeiten. Ein sichtbarer Knoten kann hormonell aktiv oder inaktiv sein.

Schilddrüsenszintigrafie

Die Szintigrafie ergänzt den strukturellen Blick durch funktionelle Informationen. Sie zeigt, wie sich die Stoffwechselaktivität innerhalb der Schilddrüse verteilt.

Damit lässt sich beispielsweise erkennen, ob ein heißer Knoten eigenständig Hormone produziert oder ob die gesamte Schilddrüse besonders aktiv ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich daraus unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten ergeben können.

Eine umfassende funktionelle Schilddrüsendiagnostik verbindet deshalb Beschwerden, Laborwerte und Bildgebung.

Untersuchung des Herzens

Nicht jedes Herzrasen wird durch die Schilddrüse verursacht. Abhängig von den Beschwerden kann deshalb zusätzlich eine kardiologische Untersuchung notwendig sein.

Für bestimmte Fragestellungen kommen in der Nuklearmedizin Verfahren wie die Herz- beziehungsweise Myokardszintigraphie zum Einsatz. Sie dienen jedoch einem anderen diagnostischen Zweck als die Schilddrüsenszintigrafie. Welche Untersuchung sinnvoll ist, richtet sich immer nach der konkreten Fragestellung.

Warum Stress und Schilddrüsenfunktion schwer zu unterscheiden sind

Herzrasen, Schlaflosigkeit und innere Unruhe passen sowohl zu einer Schilddrüsenüberfunktion als auch zu starker psychischer Belastung. Genau diese Überschneidung macht die Einordnung schwierig.

Wer unter anhaltendem Stress steht, nimmt den eigenen Herzschlag häufig besonders deutlich wahr. Gleichzeitig kann eine tatsächliche Überfunktion zu einem Gefühl permanenter Anspannung führen. Dann wirkt es möglicherweise so, als sei Stress die Ursache, obwohl die veränderte Hormonlage den Körper antreibt.

Der richtige Weg besteht nicht darin, sich vorschnell für eine Erklärung zu entscheiden. Zunächst sollte geklärt werden, ob eine körperliche Funktionsstörung vorliegt. TSH, fT3, fT4 sowie die passende Bildgebung schaffen dafür eine belastbare Grundlage.

Bleibt darüber hinaus eine starke innere Belastung bestehen, kann eine ergänzende Betrachtung sinnvoll sein. Bei PulsePoint finden Sie weiterführende Impulse dazu, wie sich stressbedingte Schilddrüsenprobleme und dauerhafte Anspannung gegenseitig beeinflussen können.

Diese ganzheitliche Perspektive ersetzt keine medizinische Diagnostik. Sie kann aber dabei helfen, körperliche Befunde und persönliche Belastungsfaktoren klar voneinander zu unterscheiden und anschließend sinnvoll zusammenzuführen.

Wenn Herzrasen, ein ungewöhnlicher Puls oder weitere Beschwerden auf eine Beteiligung der Schilddrüse hindeuten, können Sie über das Harzer PET-Zentrum eine Terminanfrage zur fachärztlichen Abklärung stellen.

Fazit: Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen im Gesamtbild betrachten

Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen stehen über den Hormonstoffwechsel in einer engen Verbindung. Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, kann das Herz schneller oder unregelmäßig schlagen. Bei einer Unterfunktion kann sich der Puls dagegen verlangsamen.

Herzrasen allein beweist jedoch keine Schilddrüsenerkrankung. Ebenso wenig darf eine mögliche Beteiligung der Schilddrüse übersehen werden, nur weil die Beschwerden zunächst nach Stress oder einer eigenständigen Herzerkrankung aussehen.

Klarheit entsteht durch das Zusammenspiel aus Anamnese, Pulsbeurteilung, Laborwerten, Ultraschall und – wenn erforderlich – Szintigrafie. Manchmal muss zusätzlich das Herz selbst untersucht werden.

Entscheidend ist deshalb nicht die vorschnelle Zuordnung eines einzelnen Symptoms. Entscheidend ist eine Diagnostik, die Herz, Schilddrüse und persönliche Situation im Zusammenhang betrachtet.

FAQ: Häufige Fragen zu Schilddrüse und Herzrhythmusstörungen

Kann die Schilddrüse Herzrasen verursachen?

Ja. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann den Stoffwechsel beschleunigen und dadurch Herzklopfen, einen hohen Puls oder Herzrasen verursachen. Ob tatsächlich die Schilddrüse dahintersteckt, muss durch eine ärztliche Untersuchung geklärt werden.

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion Vorhofflimmern auslösen?

Eine ausgeprägte Überfunktion kann mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern verbunden sein. Ein neu aufgetretener oder unregelmäßiger Herzschlag sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden.

Welche Schilddrüsenwerte werden bei Herzrasen untersucht?

Zur Basisdiagnostik gehören TSH, fT3 und fT4. Bei Verdacht auf eine autoimmune Ursache können zusätzlich Antikörper bestimmt werden, insbesondere TRAK bei möglichem Morbus Basedow.

Kann eine Schilddrüsenunterfunktion den Puls verlangsamen?

Ja. Während eine Überfunktion den Herzschlag häufig beschleunigt, kann eine Unterfunktion mit einem verlangsamten Puls und verminderter Belastbarkeit einhergehen.

Reichen normale Laborwerte aus, um die Schilddrüse als Ursache auszuschließen?

Laborwerte sind ein zentraler Bestandteil der Diagnostik, sollten aber im Zusammenhang mit Beschwerden und Untersuchungsbefunden betrachtet werden. Je nach Situation können Ultraschall oder Szintigrafie zusätzliche Informationen liefern.

Wann ist bei Herzrasen eine Schilddrüsenszintigrafie sinnvoll?

Eine Szintigrafie kann sinnvoll sein, wenn eine Überfunktion vorliegt, Schilddrüsenknoten bekannt sind oder geklärt werden muss, welche Bereiche der Schilddrüse besonders aktiv sind. Ob sie erforderlich ist, entscheidet sich anhand des Gesamtbefundes.